Aktuelles aus Unternehmen, der Tarifpolitik, den Branchen, der deutschen und internationalen Medienkonzentration


Urabstimmung beim Schwarzwälder Boten – Zustimmung für das Tarifergebnis (25.01.2012)

Der Tarifkonflikt beim Schwarzwälder Boten ist gestern Abend nach über einem Jahr und annähernd 100 Streiktagen mit der zweiten Urabstimmung beendet worden. Bei einer Wahlbeteiligung von fast 70 Prozent stimmten die Mitglieder von ver.di und DJV für die Annahme des Tarifergebnisses vom 20. Dezember 2011. Damit endet eine der längsten und härtesten Auseinandersetzungen um Ausgliederungen und Tarifflucht in der deutschen Medienbranche.

Annegret Kaiser, ver.di Landesfachbereichsleiterin: „Der lange Kampf hat sich gelohnt. Tarifflucht wurde verhindert, die Beschäftigten gehen gestärkt aus dieser Auseinandersetzung hervor und haben ein klares Signal an den Konzern der SWMH gesandt: Wer Tarifbedingungen für einzelne Gesellschaften absenkt muss mit der Gegenwehr aller Beschäftigten im Konzern rechnen.“

Vereinbart wurde für die Beschäftigten der Medienvermarktungs- und der Redaktionsgesellschaft beim Schwarzwälder Boten:

  • Für alle Beschäftigten, die bis zum 8. Dezember 2011 bei diesen Gesellschaften beschäftigt waren, gilt ein Anerkennungs-Tarifvertrag, der die Bedingungen der jeweiligen Branchentarifverträge für Zeitungsverlagsangestellte und Redakteure an Tageszeitungen sichert. Damit gibt es bis zum 31. Dezember 2014 für die Angestellten und bis zum 30. April 2014 für die Redakteure die von ver.di geforderte Tarifsicherheit.
  • Für die Beschäftigten des Grafikboten gilt bis zur Schließung des Unternehmens der zum 1. Dezember 2011 geschlossene Anerkennungs-Tarifvertrag für Arbeiter und Angestellte der Druckindustrie und Zeitungsverlage. Beschäftigte, die bis zum 31. Dezember 2012 in die Medienvermarktungs- und/oder Redaktionsgesellschaft übernommen werden sollen, haben ebenfalls Tarifschutz.

Nicht erreicht wurde eine Einbeziehung von Neueingestellten ab dem jetzigen Zeitpunkt.

Die Volontäre des Jahrgangs 2012, die dieses Jahr eingestellt werden, fallen noch unter den Anerkennungs-Tarifvertrag. Dafür haben die Redakteure als Kosten-Kompensation auf Ihre Einmalzahlung im Februar 2013 verzichtet.

Gleichzeitig wurde vereinbart, dieses Jahr Tarifverhandlungen für neue Tarifverträge in den beiden Gesellschaften aufzunehmen.


Neue Quartalsberichte online (24.01.2012)

Die neuen Quartalsberichte über die Entwicklung der Medienwirtschaft von Gert Hautsch stehen zum Download bereit. Sie sind wie immer in drei Teile gegliedert:

  • Branchenübersicht - Funk und Fernsehen im Aufwind
  • Konzernübersichten - Weltbild im Sonderangebot
  • Übernahmen und Beteiligungen: Von Alpmann bis Wallstein

Direkter Link zu den Quartalsberichten


Österreich: Gewerkschaft GPA-djp fordert Rückkehr an Verhandlungstisch – erste Warnstreiks (24.01.2012)

Heute fanden in ausgewählten Betrieben der Druckbranche (Rollen- und Bogendruck) Betriebsversammlungen und erste Warnstreiks statt. Die GPA-djp reagiert so auf die Kündigung des Kollektivvertrages per Ende März 2012.  Ab April droht ein vertragsloser Zustand für 10.500 Beschäftigte der Branche. Die Arbeitgeber stellen bislang unannehmbare Bedingungen für die Weiterführung des Kollektivvertrages. Sie wollen die

sofortige Einführung der 40-Stunden-Woche, die Flexibilisierung der Arbeitszeit auf 52 Wochen Durchrechnungszeitraum, die Nachtzuschläge reduzieren und Lohn- und Gehaltsabschlüsse unter der Inflationsrate. Sollten die Arbeitgeber sich nicht bewegen, kündigte die GPA-djp weitere Streiks an.

Link zur GPA-djp-Internetseite


Panther Wellpappen Service in Schleswig-Holstein schließt, Aufträge gehen hoch subventioniert nach Brandenburg (24.01.2012) 

Ende Januar erhalten die rund 30 Beschäftigten der Panther Wellpappen Service GmbH in Tornesch (Schleswig-Holstein) die Kündigung, das Werk wird geschlossen. Pleite ist das Unternehmen nicht. Vielmehr lockten hohe, öffentliche Mittel an einem anderen Standort - erst im vergangenen Jahr wurde in Wustermark, in Brandenburg, ein neues Werk mit drei Millionen Euro Subventionen eröffnet. Die Aufträge aus Schleswig-Holstein zog der Arbeitgeber nach Brandenburg ab. „Das ist Raubtierkapitalismus“, stellt Drucker Peter Tiedemann. Die Beschäftigten in Tornesch wurde nach Tarif bezahlt, der Betrieb in Brandenburg ist nicht tarifgebunden.

Nach massiven Protesten konnten die Beschäftigten erreichen, dass im dritten Termin der Einigungsstelle die Abfindungen erhöht wurden. Insgesamt stehen jetzt 900.000 Euro dafür zur Verfügung. Dennoch ist es für die Betroffenen ein bitterer Sieg: Fast alle arbeiten seit Jahrzehnten für das Unternehmen und sind zwischen 40 und 50 Jahren alt. Ihre Chance, einen neuen, vergleichbaren Arbeitsplatz zu bekommen, ist schlecht. Bei Panther Wellpappen werden Kartons bedruckt, unter anderem Weinkartons, die später beim Discounter im Regel stehen. Zu den Kunden zählten aber auch der Bierproduzent Heinecken oder Mercedes Benz. 


53 Zeitungszusteller werden entlassen - „Moralischer Verfall der Süddeutschen Zeitung“ (23.01.2012) 

Die 53 Zeitungszusteller der ZVZ  Zentrum GmbH in München verdienen zu viel und tragen zu schlecht aus. Das meint jedenfalls die SZ Logistik GmbH, eine 100 %-Tochter der Süddeutschen Zeitung GmbH und hat deshalb den Zustellauftrag gekündigt. Alle 53 Zeitungszusteller, die zum Teil seit mehr als 20 Jahren für die pünktliche Zustellung sorgen, sollen die Kündigung erhalten. „Nur: die Gründe sind an den Haaren herbeigezogen. In Wirklichkeit geht es darum, einen lästigen Betriebsrat und eine streikbereite Belegschaft loszuwerden - und dabei auch noch Arbeitnehmerrechte zu umgehen und Dumpinglöhne durchzusetzen“, erklärte Bernd Mann von ver.di Bayern: „Das zeigt einen moralischen Verfall der Süddeutschen Zeitung“.

In München gibt es insgesamt 11 Zustellgesellschaften. Zugestellt werden die Münchner Tageszeitungen und überregionale Zeitungen. Gesellschafter sind mit 24,8 % die Süddeutsche Zeitung GmbH und mit 75,2 % die A&H Structured Finance GmbH, eine Tochter der Hauck & Aufhäuser Privatbankiers KGaA. Im Vergleich dieser Zustellgesellschaften verwundere die Begründung zum Auftragsentzug, so Mann: Weder habe die ZVZ eine auffällige Reklamationsquote – im Gegenteil, sie sei sogar besser als die anderer Gesellschaften – noch habe sie eine auffällige Personalkostenstruktur. Diese sei über alle Münchner Zustellgesellschaften relativ ausgeglichen. „Zynisch ist die Begründung zudem, denn die Zustellvergütungen wurden seit 18 Jahren  nicht mehr wahrnehmbar angehoben“, erläuterte Mann.

Ausführliche Informationen auf unserer Unterseite


ver.di-Fachbereich Medien fordert Erhalt der Arbeitsplätze
bei manroland in Offenbach (23.01.2012) 

Der geschäftsführende Vorstand des hessischen ver.di-Fachbereichs Medien, Kunst und Industrie hat heute (23. Januar) den Erhalt der Produktion von manroland-Bogendruckmaschinen in Offenbach und damit von möglichst vielen Arbeitsplätzen gefordert. „Wir unterstützen den Protest unserer Kolleginnen und Kollegen in Offenbach, die sich gegen die geplante Kündigung von mehr als der Hälfte der Belegschaft wehren“, sagte die Fachbereichsvorsitzende Ingrid Eckert in Frankfurt am Main. „In der Druckindustrie haben die Maschinen von manroland einen sehr guten Ruf. Viele unserer Kolleginnen und Kollegen in den Druckereien und bei den Verpackungsherstellern arbeiten europa- und weltweit an Maschinen aus Offenbach.“ Es sei nicht einzusehen, dass gerade bei der Produktion von erfolgreichen Bogendruckmaschinen so drastische Einschnitte erfolgen sollen. 

Heftig kritisiert der Fachbereichsvorstand die zögerliche Haltung der Landesregierung bei den Rettungsbemühungen: „Wir vermissen ein klares Wort des hessischen Ministerpräsidenten, dass die Landesregierung alles versucht, um den Abbau von tausend qualifizierten Industriearbeitsplätzen zu verhindern.“


Neue Broschüre (18.01.2012)

Eine neue Broschüre für die Papier, Pappe und Kunststoffe verarbeitende Industrie steht um Download bereit.

Link zur Broschüre


SCA trennt sich von Verpackungssparte (17.01.2012)

Der schwedische Konzern SCA verkauft seine Verpackungssparte an DS Smith für 1,7 Milliarden Euro. Der Verkauf müssen noch die Aktionäre von DS Smith und kartellrechtlich noch die Europäische Kommission zustimmen.


bvdm geht von Aufschwung im Jahr 2012 aus (16.01.2012)

Der Arbeitgeberverband bvdm erwartet für das Jahr 2012 einen leichten Aufschwung in der Druckindustrie von rund 1,5 Prozent für die Gesamtbranche. Für das vergangene Jahr geht der bvdm von einem leichten Umsatzplus von 0,2 Prozent auf 20,34 Milliarden Euro aus.

Vom konjunkturellen Aufschwung in 2011 konnten demnach vor allem die größeren Druckbetriebe mit mehr als 50 Beschäftigten profitieren. Ihr Umsatz kletterte bis Oktober 2011 um 4,5 Prozent auf 10,75 Milliarden Euro. Druckbetriebe mit mehr als 20 Beschäftigten konnten laut bvdm ihre Produktion bis Oktober 2011 immerhin um 2,2 Prozent steigern.

Link zur kompletten bvdm-Meldung


Spiegel: WAZ-Verkauf wird zur Zitterpartie (16.01.2012)

Laut dem Nachrichtenmagazin Spiegel ist der Verkauf des WAZ-Verlags an die Miteigentümer Grotkamp noch nicht sicher. Den Käufern fehlen demnach 60 Millionen Euro des Kaufpreises.

Link zur Spiegel-Meldung


Weltbild: Belegschaft will bei Verkaufsverhandlungen mitreden (13.01.2012)

Die Verlagsgruppe WELTBILD steht seit Ende letzten Jahres zum Verkauf. Seither bangt die Belegschaft – insgesamt rund 6.400 MitarbeiterInnen – um ihre Arbeitsplätze. Um deren Interessen beim Verkauf vertreten zu können, verlangt der Betriebsrat jetzt die ihnen gesetzlich zustehenden Sitze im Aufsichtsrat. Gleichzeitig verhandelt ver.di seit Dezember mit der Geschäftsführung über einen Zukunftstarifvertrag.

Nach deutschem Recht haben ArbeitnehmerInnen im Aufsichtsrat mitzubestimmen. Das ist den MitarbeiterInnen von WELTBILD bislang verweigert worden. Standpunkt der Geschäftsführung: WELTBILD sei ein kirchliches Unternehmen und damit ein Tendenzbetrieb, bei dem die Mitbestimmungsgesetze keine Anwendung finden würden. Jetzt sagt die Kirche selbst, dass WELTBILD ein rein profit-orientiertes Handelsunternehmen sei. Dieser Umstand wurde von der Deutschen Bischofskonferenz auch als Grund für den Verkauf genannt. Damit greift die Argumentation aus Sicht des Betriebsrats nicht mehr.

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dju lädt Bundespräsident Christian Wulff zu Gespräch ein (12.01.2012)

Der Vorsitzende der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union in ver.di (dju), Ulrich Janßen, hat Bundespräsident Christian Wulff bei dessen Neujahrsempfang zu einem Gespräch über die Pressefreiheit und den Umgang mit Journalistinnen und Journalisten eingeladen: „Die dju sieht den Umgang des Bundespräsidenten mit der Presse sehr kritisch. Wir halten es daher für sinnvoll, uns mit Herrn Wulff direkt über die Verantwortung sowie die Aufgaben von Medien und Amtsinhabern auseinander zu setzen“, sagte Janßen. Der Bundespräsident sagte Janßen ein Gespräch im Februar zu.